Hintergrund
Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung: KI-erzeugte oder KI-veränderte Bilder, Videos und Töne, die echten Personen, Orten oder Ereignissen täuschend ähnlich sind, müssen für Menschen erkennbar sein. Der Kennzeichnungs-Monitor misst jeden Monat, wie viele deutsche Websites KI-Inhalte sichtbar kennzeichnen, wie sie sich zum KI-Training äußern und was ihre Bilddateien über ihre Herkunft verraten. Gemessen wird Praxis, nicht Rechtstreue: Ob ein Inhalt kennzeichnungspflichtig ist, kann der Scanner nicht beurteilen.
Fünf Befunde
- 2,7 %34 von 1.283
Weniger als 3 % aller messbaren Websites kennzeichnen KI-Inhalte sichtbar.
34 von 1.283 messbaren Websites setzen einen sichtbaren Hinweis, alle von Hand, eine davon mit dem offiziellen EU-Symbol. Ein Kennzeichnungs-Tool nutzt weiterhin keine. Im September waren es 2,8 %.
- 90 %
Neun von zehn Bilddateien tragen keine Angabe, woher sie stammen.
Von 33.763 geprüften Bilddateien enthalten nur 9,6 % Herkunftsdaten nach IPTC, XMP oder C2PA, 2 % tragen Kameradaten. Bei den Sparkassen tragen praktisch keine Bilder eine Herkunftsangabe (0,4 %).
- 31
31 Websites tragen eine KI-Angabe im Bild, keine davon kennzeichnet sichtbar.
Das sind 2,5 % der 1.235 Websites mit geprüften Bildern, anteilig am häufigsten bei Kanzleien (3 von 38) und Startups (4 von 53). Ein Verstoß ist das nicht von vornherein, denn Artikel 50 verlangt die Kennzeichnung nur für täuschend echte Inhalte.
- 19 %
Jede fünfte Website setzt ein Trainings-Signal, bei Nachrichtenmedien sind es mehr als zwei Drittel.
250 Websites reagieren, 246 davon sperren bekannte KI-Crawler in der robots.txt. Nur 16 nutzen ausdrückliche Wege wie Meta-Tags, tdmrep.json oder ai.txt. Unter den 36 messbaren Nachrichtenmedien setzen 25 ein Signal, unter den 53 Startups zwei.
- 5
Fünf Websites verlinken eine Erklärung zu ihrem KI-Einsatz.
Das entspricht 0,4 % der messbaren Websites, genauso viele wie im September. Eine llms.txt nutzen inzwischen 92 Websites (September: 88), eine ai-disclosure.json weiterhin zwei.
Sichtbare Kennzeichnung
34 von 1.283 messbaren Websites (2,7 %) weisen KI-Inhalte sichtbar aus: alle 34 per Hinweis von Hand am Bild oder im Text, keine einzige per Kennzeichnungs-Script. Wir werten beide Wege gleich.
Trainings-Signale
250 von 1.283 Websites (19 %) teilen KI-Anbietern maschinenlesbar mit, ob ihre Inhalte für das Modell-Training genutzt werden dürfen. Fast alle wählen den einfachsten Weg und sperren bekannte Crawler aus.
| Deklarationsweg | Websites | Anteil | |
|---|---|---|---|
| KI-Crawler per robots.txt ausgesperrt | 246 | 19,2 % | |
| KI-Agenten namentlich gesperrt | 104 | 8,1 % | |
| Content-Signal: Training untersagt | 6 | 0,5 % | |
| tdmrep.json vorhanden | 7 | 0,5 % | |
| ai.txt vorhanden | 2 | 0,2 % | |
| Signal vom Hoster gesetzt (Cloudflare) | 3 | 0,2 % | |
| TDM-Vorbehalt im Meta-Tag | 1 | 0,1 % |
Tab. 1: Deklarationswege im Oktober 2026, Basis 1.283 messbare Websites. Mehrfachnennung möglich.
Maschinen-Lesbarkeit
| Datei oder Einbindung | Websites | Anteil | |
|---|---|---|---|
| llms.txt vorhanden | 92 | 7,2 % | |
| KI-Chat eingebunden | 9 | 0,7 % | |
| Transparenz-Erklärung verlinkt | 5 | 0,4 % | |
| ai-disclosure.json vorhanden | 2 | 0,2 % |
Herkunft in Bilddateien
Wir haben 33.763 Bilddateien von 1.235 Websites geprüft. 90,1 % davon tragen keinerlei Angabe, woher sie stammen: weder Herkunftsdaten noch Kameradaten. Herkunftsdaten nach IPTC, XMP oder C2PA stehen in 9,6 % der Dateien, Kameradaten in 2 %. Eine ausdrückliche KI-Angabe tragen 45 Dateien auf 31 Websites, keine davon kennzeichnet sichtbar.
Wir lesen nur, was in der Datei steht. Ein Erkennungsmodell, das Bilder nach ihrem Aussehen beurteilt, setzen wir nicht ein. Viele Content-Management-Systeme entfernen Metadaten beim Hochladen, ein KI-Bild ohne Angaben bleibt deshalb unsichtbar, und die Zahl mit KI-Angabe ist eine Untergrenze. Eine Angabe in der Datei ist außerdem noch keine sichtbare Kennzeichnung für Besucher. Wie gekennzeichnet werden muss
Nach Gruppen
| Gruppe | Im Panel | Messbar | Herkunft im Bild | Kennzeichnung | Trainings-Signal | Score |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Meistbesuchte .de-Websites | 965 | 768 80 % | 11 % | 3,1 % | 26 % | 33 |
| Sparkassen | 203 | 203 100 % | 0 % | 1 % | 5 % | 33 |
| Behörden | 91 | 83 91 % | 14 % | 4,8 % | 10 % | 33 |
| Kliniken | 77 | 72 94 % | 15 % | 0 | 1 % | 33 |
| Startups | 62 | 53 85 % | 5 % | 3,8 % | 4 % | 33 |
| Kanzleien | 41 | 38 93 % | 12 % | 0 | 5 % | 33 |
| Nachrichtenmedien | 38 | 36 95 % | 13 % | 2,8 % | 69 % | 51 |
| Konzerne | 37 | 30 81 % | 12 % | 3,3 % | 7 % | 33 |
Tab. 2: Auswertung nur für Gruppen mit mindestens 20 messbaren Websites. „Messbar“ bedeutet, dass die Startseite ohne Bot-Schutz erreichbar ist. „Nicht messbar“ ist keine Bewertung der Kennzeichnung. Herkunftsdaten: Anteil der geprüften Bilddateien der Gruppe mit IPTC-, XMP- oder C2PA-Angaben. Score ist der Median des Website-Check-Scores. Bei Gruppen unter 100 messbaren Websites schwanken Anteile um mehrere Prozentpunkte; ein Unterschied von ein bis zwei Punkten ist dort kein Befund.
So kennzeichnet Deutschland
Die häufigsten Formulierungen, mit denen Websites KI-Inhalte sichtbar auszeichnen, dazu die offiziellen EU-Symbole und erkannte Kennzeichnungs-Tools. Anteil an den 33 Websites mit sichtbarer Kennzeichnung, Mehrfachnennung möglich.
| Formulierung oder Weg | Websites | Anteil | |
|---|---|---|---|
| „KI-generiert“ | 10 | 30 % | |
| „Mit KI erstellt“ | 8 | 24 % | |
| 1 | 3 % |
Einordnung
Die sichtbare Kennzeichnung bleibt im Oktober 2026 die Ausnahme: 34 Websites setzen einen Hinweis, das sind 2,7 % nach 2,8 % im September. Die Zahl bleibt stabil, die Namen dahinter wechseln. Hinweise hängen meist an einzelnen Beiträgen oder Bildern auf der Startseite, und wechselt dort der Aufmacher, verschwindet der Hinweis aus der Messung. Sieben Websites sind neu in der Positivliste, darunter zwei Sparkassen und Volkswagen. Ein Kennzeichnungs-Tool ist weiterhin nirgends im Einsatz, das offizielle EU-Symbol erscheint auf einer einzigen Website.
Die Bilddateien zeigen dasselbe Bild wie im September. 90 % tragen keine Angabe zur Herkunft, weil Content-Management-Systeme und Bild-CDNs diese Angaben beim Hochladen oder Verkleinern meist entfernen. Auf 31 Websites trägt mindestens ein Bild eine ausdrückliche KI-Angabe, und keine dieser Websites kennzeichnet sichtbar. Anteilig am häufigsten ist das bei Kanzleien, Startups und Konzernen; bei Gruppen mit wenigen Dutzend Websites sind Unterschiede von wenigen Websites allerdings kein Befund.
Beim Training ändert sich kaum etwas: Jede fünfte Website widerspricht, fast immer über die Sperre bekannter Crawler, bei den Nachrichtenmedien mehr als zwei Drittel. Leicht zugenommen hat die llms.txt, mit der Websites KI-Assistenten eine Übersicht anbieten. Erklärungen zum eigenen KI-Einsatz gibt es weiterhin auf fünf Websites. Ab dieser Ausgabe wird zur Monatsmitte gemessen, die November-Ausgabe zeigt den Stand vom 13. November.
Methodik
Stand 23. September 2026. Eine Ausgabe zeigt die Methode, mit der sie gemessen wurde.
- 1. Stichprobe
- Wir messen ein festes Panel aus acht Gruppen, jeden Monat dieselben Websites. Die 1.000 meistbesuchten .de-Domains der Tranco-Liste stehen für das, was die meisten Menschen in Deutschland tatsächlich sehen; Nachrichtenmedien und Startups daraus bilden eigene Gruppen, bereinigt um Erwachsenenangebote, Casino-Affiliates und technische Dienste (DNS, CDN, Adtech), nachgerückt sind die nächsten echten Websites. Die DAX-Konzerne stehen für die größten Unternehmen, alle Sparkassen für eine Branche vollständig, ohne Auswahl. Behörden (Bundesministerien, Bundesbehörden, Landesportale, Städte ab 100.000 Einwohnern) stehen für den Staat, der beim Kennzeichnen Vorbild sein soll. Große Klinikträger und Universitätskliniken stehen für Bilder mit Menschen, bei denen Vertrauen zählt, führende Wirtschaftskanzleien für die Branche, die andere zum AI Act berät. Nachrichtenmedien stehen für die Angebote, über die sich die meisten Menschen informieren: öffentlich-rechtliche Sender, Portale, Leitmedien, Boulevard, Regionalzeitungen, Sportportale und Meinungsmedien von links bis rechts. Startups stehen für die Unternehmen, die KI am frühesten einsetzen, in zwei Teilen: Unicorns (nicht börsennotiert, nicht übernommen, zuletzt mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet) und Aufsteiger (die LinkedIn Top Startups 2025 für Deutschland sowie Taktile und nomos). Die Listen stammen aus öffentlichen Quellen mit Stand September 2026 und ändern sich nur, wenn eine Website dauerhaft verschwindet. Eigene Projekte von wirklich.ai sind ausgeschlossen.
- 2. Messung
- Jede Website läuft einmal im Monat durch den öffentlichen Website-Check von wirklich.ai. Wir prüfen die Startseite und bis zu 19 weitere Unterseiten aus Sitemap und Navigation, maximal 30 Bilddateien je Website sowie robots.txt, Meta-Tags, tdmrep.json, ai.txt, llms.txt und ai-disclosure.json. Die Messung erfolgt seriell mit Pausen zwischen den Aufrufen, bei rund 120 Websites pro Stunde.
- 3. Sichtbare Kennzeichnung
- Wir zählen ausschließlich Hinweise, die Besucher direkt sehen. Dazu gehören Formulierungen wie „Mit KI erstellt“, „KI-generiert“, „Symbolbild (KI)“ oder „Erstellt mit Midjourney“ in Bildunterschriften und Marken am Bild. Fließtext über das Thema, Fragen und Überschriften zählen nicht. Hinweise im Alt-Text oder Bildtitel weisen wir getrennt aus. Auch die offiziellen EU-Symbole (erkannt am Dateinamen oder am Dateiinhalt) und Bildmarken mit einem KI-Hinweis im Alt-Text zählen als sichtbar. Bekannte Kennzeichnungs-Tools anderer Anbieter (Script-Widgets und Plugins) erkennen wir am Script oder am Markup; sie zählen wie unser eigenes als Script. Ein Kennzeichnungs-Script zählt genauso wie ein Hinweis von Hand.
- 4. Trainings-Signale
- Ein Signal liegt vor, wenn die robots.txt ein Content-Signal oder einen Content-Usage-Eintrag für alle Crawler enthält, ein TDM-Meta-Tag im Seitenkopf steht, eine tdmrep.json oder ai.txt existiert oder mindestens einer von acht bekannten KI-Crawlern ausgesperrt ist. Signale, die erkennbar der Hoster gesetzt hat (etwa Cloudflare), weisen wir separat aus. Getrennt davon zählen wir das Content-Signal ai-input: Damit regelt eine Website, ob KI-Dienste ihre Inhalte live als Quelle für Antworten nutzen dürfen, unabhängig vom Training.
- 5. Herkunft in Bildern
- Von jeder Bilddatei lesen wir nur den Dateikopf und werten aus, was darin steht. Ein Erkennungsmodell, das Bilder nach ihrem Aussehen beurteilt, setzen wir nicht ein. Als KI-Angabe zählt nur eine ausdrückliche Deklaration: der IPTC-Wert digitalSourceType für KI-erzeugte oder KI-bearbeitete Inhalte, ein C2PA-Manifest mit KI-Angabe oder der Name eines KI-Tools in den Metadaten. Getrennt weisen wir aus, wie viele Bilder überhaupt Herkunftsdaten tragen (XMP, C2PA oder eine IPTC-Quellenangabe), wie viele Kameradaten (EXIF) und wie viele gar keine Angaben. Viele Content-Management-Systeme entfernen Metadaten beim Hochladen, ein KI-Bild ohne Angaben bleibt für uns unsichtbar. Der Anteil mit KI-Angabe ist deshalb eine Untergrenze. Kopiert wird nichts.
- 6. Grenzen des Scanners
- Der Scanner erkennt nicht, ob eine Website überhaupt KI-Inhalte nutzt. „Nicht gekennzeichnet“ ist daher kein Fehlverhalten, und wir führen keine Liste von Websites ohne Kennzeichnung. Websites hinter Bot-Schutz (Statuscode 403, 429 oder Zeitüberschreitung) gelten als nicht messbar und fließen nicht in die Quoten ein. Wir lesen den Quelltext der Seiten, kein gerenderter Browser: Hinweise, die erst ein Script im Browser einblendet, sehen wir nur bei bekannten Tools; Hinweise innerhalb eines Video- oder Audio-Players sehen wir nicht, Text neben dem Player zählt.
- 7. Gruppen und Mindestgrößen
- Eine Vergleichsgruppe erscheint ab 20 messbaren Websites. Domains, die zweimal in Folge nicht auflösen, markiert das System als inaktiv; ihre bisherigen Werte bleiben im Zeitverlauf erhalten.
- 8. Ausgaben und Zeitverlauf
- Gemessen wird zur Monatsmitte, die Ausgabe erscheint kurz danach und trägt den Namen ihres Messmonats. Der Zeitverlauf fasst alle Monatsdaten zusammen. Veröffentlichte Ausgaben werden eingefroren, ihre Werte verändern sich nachträglich nicht mehr.
- 9. Daten, Lizenz und Widerspruch
- Jede Ausgabe steht als CSV-Datei unter der Lizenz CC BY 4.0 bereit (Quellenangabe: wirklich.ai, Kennzeichnungs-Monitor). Nachrichtenmedien nennen wir in der Positivliste nicht namentlich, weil der Monitor keine Medien bewertet; sie zählen nur in den Quoten ihrer Gruppe. Wer in der Positivliste genannt ist und das nicht möchte, schreibt an monitor@wirklich.ai. Presseanfragen laufen über die Presseseite.
Zu dieser Ausgabe
Gemessen im Oktober 2026 mit dem öffentlichen Website-Check von wirklich.ai, bei einem festen Panel von 1.514 deutschen Websites: den meistbesuchten .de-Domains, den DAX-Konzernen, allen Sparkassen, großen Kliniken, Kanzleien sowie Bund, Ländern und Städten ab 100.000 Einwohnern, dazu Nachrichtenmedien und Startups. Eingefroren am 16. Oktober 2026, die Zahlen dieser Ausgabe ändern sich nicht mehr. Alle Ausgaben und der Zeitverlauf auf der Übersichtsseite.
Anhang: Wer sichtbar kennzeichnet
Diese 33 Websites tragen eine vom Scanner erkannte, sichtbare KI-Kennzeichnung, geordnet nach ihrer Gruppe im Panel. Ausschließlich diese Positivliste nennt Namen, denn wer transparent arbeitet, darf gesehen werden. Nachrichtenmedien nennen wir nicht namentlich, weil der Monitor keine Medien bewertet; sie zählen nur in den Quoten ihrer Gruppe. Eine Liste der Websites ohne Kennzeichnung führen wir bewusst nicht, weil sich von außen nicht feststellen lässt, ob dort überhaupt KI-Inhalte vorliegen.
aerztezeitung.de, barmer.de, boersennews.de, buhl.de, checkdomain.de, cornelsen.de, dogado.de, fhg.de, fraunhofer.de, fressnapf.de, haw-hamburg.de, intel.de, lidl.de, nordkurier.de, oetker.de, penny.de, plutex.de, securepoint.de, t3n.de, targobank.de, teltarif.de, uni-bremen.de, uni-muenster.de, vattenfall.de
bmdv.bund.de, duisburg.de, hamm.de, oldenburg.de
clark.de, sennder.com
ostsaechsische-sparkasse-dresden.de, sparkasse-freising-moosburg.de
volkswagen-group.com
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