Seit August 2026 müssen bestimmte KI-generierte Inhalte in der EU gekennzeichnet werden. Hier lesen Sie, was dahintersteckt, wie echte Kennzeichnung aussieht und warum wir das für wichtig halten.
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Die Fähigkeit, ein Foto anzusehen und ihm zu glauben, ist ungefähr 180 Jahre alt. Sie beruhte auf einer technischen Voraussetzung: Eine Aufnahme herzustellen, die etwas zeigt, das es nie gab, war aufwendig und meistens erkennbar.
Diese Voraussetzung ist weg. Ein überzeugendes Bild von einem Menschen, den es nicht gibt, in einer Situation, die nie stattgefunden hat, entsteht heute in Sekunden.
Das Problem dabei ist nicht die einzelne Fälschung. Fälschungen gab es immer. Das Problem ist, was passiert, wenn alles gefälscht sein könnte: Dann verliert nicht nur das Falsche seine Wirkung, sondern auch das Echte. Wer nichts mehr glauben muss, kann alles bestreiten — auch das, was tatsächlich passiert ist.
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Man kann das für ein Nischenthema halten. Die Zahlen sagen etwas anderes.
Eurobarometer-Sonderumfrage der EU-Kommission, Februar/März 2026
Die Kennzeichnungspflicht ist die Antwort auf diese Sorge. Die Verordnung behandelt zwei Fälle besonders: Deepfakes — Inhalte, die echten Personen, Orten oder Ereignissen ähneln und für echt gehalten werden könnten — und veröffentlichten Text zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse ohne menschliche Prüfung. Es sind die beiden Wege, auf denen sich Meinung im großen Maßstab beeinflussen lässt.
Dass man erkennen kann, ob ein Mensch oder eine Maschine gesprochen hat, ist die Voraussetzung dafür, dass die Auseinandersetzung überhaupt möglich bleibt — unabhängig von der politischen Richtung.
Was die Zahlen nicht sagen: Die Umfragen zeigen, dass die Sorge weit verbreitet ist — nicht, dass Kennzeichnung sie löst. Belegt ist bislang nur, dass die EU-Symbole besser verstanden werden, wenn ein kurzer Text danebensteht.
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Die EU-Kommission hat im Juni 2026 drei Symbole veröffentlicht, mit denen KI-Inhalte gekennzeichnet werden können. Sie sind frei nutzbar, und Sie werden ihnen in nächster Zeit häufiger begegnen.
KI war an der Erstellung beteiligt.
Der Inhalt wurde komplett von einer KI erzeugt, ohne von Menschen geschaffene Elemente.
Ein bestehender, von Menschen erstellter Inhalt wurde mit KI verändert — etwa ein ausgetauschtes Gesicht in einem echten Foto.
Die Kommission hat die Symbole testen lassen. Ein Ergebnis: Sie werden deutlich besser verstanden, wenn ein kurzer Text danebensteht. Ein Zeichen allein ist neu und sagt den meisten Menschen noch nichts.
Wichtig zu wissen: Die Verwendung dieser Symbole ist freiwillig. Die Kennzeichnungspflicht selbst ist es nicht. Ein fehlendes Symbol bedeutet also nicht automatisch, dass keine KI im Spiel war.
Die gezeigten Symbole sind die offiziellen Zeichen der Europäischen Kommission, nicht unsere.
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Wenn Sie auf einer Website unser Siegel sehen, heißt das: Der Betreiber arbeitet mit uns daran, KI-generierte Medien zu erfassen und zu kennzeichnen, und führt darüber ein Protokoll, das Sie einsehen können.
Was es ausdrücklich nicht heißt:
Es ist keine amtliche Prüfung. Wir sind keine Behörde und keine Zertifizierungsstelle. Für die Transparenzpflichten gibt es derzeit auch gar keine zentrale Prüfstelle.
Es bedeutet nicht, dass alles auf der Seite echt ist. Es bedeutet, dass jemand hinschaut und dokumentiert, was er findet.
Es sagt nichts über die Qualität der Inhalte. Ein KI-generiertes Bild kann korrekt sein, ein Foto kann in die Irre führen. Das Zeichen sagt etwas über die Herkunft, nicht über die Wahrheit.
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Wer Inhalte veröffentlicht, hat ein Verhältnis zu den Leuten, die sie ansehen. Dieses Verhältnis funktioniert über eine unausgesprochene Zusage: Was hier steht, ist so gemeint. Ein täuschend echtes Bild, das keines ist, bricht diese Zusage, auch wenn niemand es merkt.
Kennzeichnung ist deshalb weniger eine Vorschrift als eine Höflichkeit. Sie kostet fast nichts und sagt: Wir nehmen Sie ernst genug, Ihnen zu sagen, was Sie gerade sehen.
Wir würden das Argument auch ohne Verordnung machen. Dass es sie gibt, macht es nur einfacher.
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Wenn Sie auf einer Website KI-Bilder ohne Hinweis finden, steckt dahinter selten böser Wille. Meistens steckt dahinter, dass niemand weiß, welches Bild wann von wem hochgeladen wurde.
Eine mittelgroße Unternehmenswebsite hat Hunderte Bilder, gesammelt über Jahre, von Leuten, die teilweise nicht mehr da sind. Ein Teil kommt aus Stockdatenbanken, wo mehrere Anbieter KI-Material im Katalog haben, ohne es durchgängig auszuweisen. Und die Regeln sind neu: Die Pflichten gelten seit dem 2. August 2026.
Dazu kommt, dass die Regeln komplizierter sind, als es die Schlagzeilen nahelegen. Nicht jeder KI-Inhalt muss gekennzeichnet werden. Wer das falsch versteht und vorsichtshalber alles markiert, macht die Kennzeichnung dort wertlos, wo sie zählt.
Deshalb bauen wir Werkzeuge dafür — und stellen sie kostenlos zur Verfügung. Nicht, weil Unternehmen sich nicht kümmern wollen, sondern weil es ohne Werkzeug ziemlich mühsam ist.